Aktionsurlaub vom 06.02.-12.02.2009
Drei Wochen dauerte das Volksbegehren „für ein faires Wahlrecht“. Es enthielt die Forderung nach einem modernen Wahlrecht, das ähnlich wie in Baden-Württemberg, Elemente wie Kumulieren und Panaschieren enthält und den Hamburger Bürgern mehr Einfluss auf die personelle Zusammensetzung des Bezirksrats und der Bürgerschaft verleihen soll. Beim Unterschriften sammeln kamen immer wieder kamen Hamburger Bürger auf die Aktionsurlauber zu und bedankten sich für deren Einsatz trotz Regens, Schnee und Kälte. Die vielen positiven Rückmeldungen zeigten deutlich den großen Rückhalt des Volksbegehren in der Bevölkerung.
Unter diesen Umständen legte ich meine anfängliche Zurückhaltung schnell ab, als ich am Samstag Morgen zum ersten Mal, mit Lena aus Siegen, los zog Unterschriften zu sammeln. Wir waren in Barmbek in einer Einkaufsstraße unterwegs. Die Menschen hier waren offen und nach einer halben Stunde kam ich mir mit Sandwich (siehe Bild)und Kladde nicht mehr seltsam vor, die Menschen anzusprechen. Es klappte besser und die Zahl der Unterschreibenden stieg stetig an. Lena schaffte es an diesem Tag nicht ihr Ziel zu erreichen, den Tagesrekord von ca. 250 Unterschriften zu knacken. An ihrem Beispiel konnte man sehen, wie man erfolgreich Charme gepaart mit etwas Dreistigkeit einsetzen kann.
Beim direkten Dialog mit den Bürgern in Form unzähliger Diskussionen über das Wahlrecht, sowie über Volksbegehren und Volksentscheide handelt es sich um einen wichtigen Lernprozess, der in Hamburg auf Grund langjähriger Erfahrungen schon weit fortgeschritten ist. Im Vergleich dazu ist Wissen über direkte Demokratie in Baden-Württemberg in der Bevölkerung auf Grund mangelnder Praxis kaum vorhanden. Schöne Moment erlebte ich mit Menschen, die trotz eigener Aussage „Ich bin Nichtwähler!“ stehen blieben und ich sie anschließend, trotz sonstiger Resignation, überzeugen konnte, dass direkte Demokratie einen Gegenpol darstellt zu „Politikern die eh machen was sie wollen“.
Nach den langen Tagen trafen sich abends die 30-50 Aktionsurlauber im Instant-Sleep Hostel, dem Hauptquartier der Kampagne. Mit dabei waren zahlreiche Aktive aus Baden-Württemberg von Lörrach über Pforzheim bis Backnang. Viele interessante Gespräche mit unterschiedlichen Leuten auf der Straße und abends in gemütlicher Runde im Hostel, hinterließen einen tiefen Eindruck. Jeden Abend fiel ich zwar todmüde aber glücklich, nach ein paar Versuchen meine nicht vorhandenen Kicker-Spielfähigkeiten auszubauen, ins Bett.
Am Sonntag vor dem Stadion des FC St. Pauli zeigte sich, dass nicht jeder Sammler alle Zielgruppen anspricht. Die Fußballfans waren definitiv nicht meine Zielgruppe weshalb ich mit einer Gruppe von Sammlern bei schönem Wetter weiter zum Elbstrand nach Övelgönne zog. Die Sonntags-Spaziergänger hier erwiesen sich als entspannter und unterschrieben gerne, bis mit einem plötzlichen Hagelschauer dieser Sammeltag endete.
Am letzten Tag des Volksbegehrens schien es noch richtig knapp zu werden, würden wir es noch schaffen die erforderliche Anzahl von ca. 62 000 Unterschriften und einen zusätzlichen Puffer für ungültige Stimmen zu sammeln? Viele Leute waren froh in letzter Minute noch unterschreiben zu können. Die letzten Sammler kamen an diesem Donnerstag Abend erst gegen 23 Uhr zurück und da war es dann klar, dass das Volksbegehren erfolgreich war. Innerhalb des letzten Tages kamen über 10.000 Unterschriften zustande! Die anschließende Party mit Life-Musik feierte dies gebührend, während die noch reinkommenden Unterschriftsbögen gezählt und gestempelt wurden.
Am Freitag morgen stapften wir durch 15cm hohen Neuschnee und Schneetreiben auf dem Weg ins Landeswahlamt zur Unterschriftenübergabe. Dort stieg die Spannung dann nochmal an : Ein Auto, das mit vier Ordnern mit ca. 8000 Unterschriften auf dem Weg zum Amt unterwegs war hatte eine viertel Stunde vor Abgabeende noch Schwierigkeiten das versteckt liegende Landeswahlamt zu finden. Bis zur letzten Minute wurden im Amt noch die am Morgen eingegangenen letzten Listen gestempelt und schließlich 76.086 Unterschriften übergeben.

Nähere Informationen zum Volksbegehren in Hamburg finden Sie auf der Website des Bundesverbandes und auf der Kampagnenseite des Hamburger LV.
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